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Zwangsarbeit im Faschismus bei der Firma Rheinmetall-Borsig und der Rüstungsstandort Unterlüß

Eine Dokumentation von: Rheinmetall entwaffnen–RheinMain August 2021

Während des antimilitaristischen Camps von „Rheinmetall-Entwaffnen“ 2018 am Rüstungsstandort in Unterlüß fand ein erstes gemeinsames Gedenken am Ort des ehemaligen KZ-Außenlagers Tannenberg statt. Nach dieser Erfahrung und dem für aus anderen Städten kommenden Menschen neuem Wissen über die örtliche Geschichte, wurde das Thema 2019 zu einem der inhaltlichen Schwerpunkte des nächsten Camps gemacht. Es gab eine provisorische Ausstellung und eine Abendveranstaltung auf dem Zeltplatz. Am Standort des Außenlagers wurde im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier ein Stein gesetzt und auf dem Rückweg in das 6 Kilometer entfernte Unterlüß der Weg markiert, den die Häftlinge damals täglich ins Werk zurücklegen mussten.
Wenige Tage, beziehungsweise zum Teil schon Stunden später, waren alle Objekte vollkommen zerstört oder gestohlen. Dies alles dokumentiert die von uns danach erstellte Ausstellung und das dazugehörige Begleitheft „Zwangsarbeit bei Rheinmetall z.B. KZ Tannenberg, Unterlüß“.

Der Text der jetzt veröffentlichten 70seitigen Dokumentation entstand während der weiteren Recherche und ist auf zwei Beiträge geteilt als Begleitprogramm zur Ausstellung gedacht. Hier in einer leicht erweiterten Form und durch Quellen- und Literaturhinweise ergänzt. Möglichst oft sollten die überlebenden Zwangsarbeiter:innen selbst zu Wort kommen. Im Gegensatz zu den Nachkriegsaussagen von Täter:innen, zum Teil im Verlauf von Strafverfolgungsmaßnahmen, sind die Aussagen der Opfer wirklich verlässliche Quellen, bei denen aber durchaus mal ein Eigenname oder Datum durcheinander gerät. Alle waren durch ihre Erlebnisse traumatisiert. Zum Teil haben sie ihre Erinnerungen erst nach vielen Jahren niedergeschrieben. Ein weiterer Aspekt dabei ist, den Betroffenen eine Stimme zu geben. Die Erzählung im Nachkriegsdeutschland war die der Täter:innen. Zum Teil bis heute. Im Folgenden werden Überlebende der Zwangsarbeit in Unterlüß und anderen Rheinmetall Standorten zitiert. Ansonsten Menschen denen das selbe an einem anderen Ort passiert ist. Die Strukturen und Abläufe im System der Zwangsarbeit waren immer gleich. Alles war durch Gesetze, Vorschriften und schriftliche Anweisungen genau geregelt. Die ausführenden Institutionen waren immer die gleichen. Deshalb unterscheiden sich die Erfahrungsberichte der Überlebenden oft nur durch Zeit und Ort. So ist es möglich, an einem konkreten Beispiel einen Blick auf das ganze System der Ausbeutung und Vernichtung zu werfen.
(aus der Einleitung) - >>> weiter


Tribunal gegen Kriegsprofiteur Heckler & Koch

Antimilitaristischer Aktionstag am 8. Oktober 21 in Oberndorf am Neckar

Das bundesweite Aktionsbündnis Rheinmetall Entwaffnen ruft zum Aktionstag am 08. Oktober 2021 nach Oberndorf am Neckar vor die Tore der Rüstungsschmiede Heckler und Koch (siehe auch: https://rheinmetallentwaffnen.noblogs.org/).

Im Rahmen dieses Aktionstages findet ab 10:00 Uhr in der Heckler und Koch Straße ein Tribunal von unten und links statt. Wir thematisieren die Geschichte Oberndorfs als Rüstungsstandort. Wir beleuchten das dunkle Kapitel der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus bei Mauser und die Nazivergangenheit der Firmengründer von Heckler und Koch.
Schwerpunkt des Tribunals ist die Rolle der sogenannten Kleinwaffen bei der Befeuerung der weltweiten Konflikte.
Hier werden wir besonders auf die illegalen Waffenlieferungen in sogenannte Unruheregionen Mexikos eingehen.

Wir freuen uns über die Anwesenheit von Vertreter:innen der aus Chiapas/Mexiko angereisten Delegation der Zapatistas und Vertreter:innen der Nationalen Koordination der Indignen aus Mexiko (CNI), sie werden auf dem Tribunal auch zu Wort kommen.


tribunal_header

Das Tribunal findet bewusst am Tag der Aktionsversammlung von Rheinmetall statt. Vor Corona wurden diese Hauptversammlungen des Rüstungskonzerns mehrfach gestört und 2019 erfolgreich die Bühne gestürmt. Coronabedingt, aber durchaus von der Konzernspitze begrüßt, wurde das Aktionärsgesetz geändert und Online-Versammlungen erlaubt. 2020 wurde deshalb parallel zur Hauotversammlung der Protest vor die Häuser der Konzernspitze verlagert. Unter dem Motto “Healthcare Not Warfare” fand so z.B. vor dem Haus des ehemaligen Verteidigungsministers Jung in Eltville eine Kundgebung statt.

hier wird das tribunal live am 11.5.21 gestreamt:


Weg der Erinnerung – Zwangsarbeit bei Rheinmetall

Eine Aktion der Initiative Rheinmetall entwaffnen - RheinMain

In Gedenken an die Opfer von Krieg und Faschismus

Diese Website ist gewidmet dem Gedenken an die osteuropäischen jüdischen Zwangsarbeiterinnen, die im Außenlager Tannenberg des KZ Bergen-Belsen inhaftiert waren und für die Rheinmetall-Borsig AG Zwangsarbeit leisten mussten.
In Unterlüß wurden 4.000-5.000 Zwangsarbeiter * innen eingesetzt. Sie mussten schwerste körperliche Arbeiten verrichten. Viele arbeiteten in der Munitionsfüllanlage von Rheinmetall. Eine Arbeit, die so giftig war, dass sie krank machte. In der Kriegsproduktion der NS- Zeit lag der Anteil an Zwangsarbeit teilweise bei 50% aller Beschäftigten.

Der heutige Konzern Rheinmetall ging nach Kriegsende nahtlos aus der Rheinmetall-Borsig AG hervor. Nach einer kurzen Phase der Konversion konnte Rheinmetall sich schon in den frühen 50er Jahren wieder seinem Hauptgeschäft, der Produktion von Waffen und Kriegsmaterial, widmen. Die Geschichte Rheinmetalls ist die Geschichte des Krieges und des Tötens. Der Konzern verweigert bis heute eine Aufarbeitung der Verbrechen, die in seinem Namen in der Zeit des Faschismus verübt wurden, und stellt sich nicht seiner Verantwortung.

Auch die Gemeinde Unterlüß will nicht an ihre Vergangenheit erinnert werden. Ein Brief der jüdischen Überlebenden Edith Balas, den sie 2013 an die Gemeinde schrieb, blieb unbeantwortet.

Einige Menschen aus der Region versuchen seit vielen Jahren, die Geschichte der Zwangsarbeiter * innen rund um Unterlüß zu erforschen und ein würdiges Gedenken zu ermöglichen. Ihre Hauptforderungen sind dabei die Öffnung der firmeneigenen Archive für eine historische Aufarbeitung und die Ermöglichung einer Gedenkstätte am ehemaligen Lager Tannenberg, das sich auf dem Privatgelände der Rheinmetall AG befindet.

Rheinmetall entwaffnen - RheinMain ist eine regionale antimilitaristische Initiative. Wir beteiligen uns mit Aktionen und Interventionen an der Kampagne gegen Rüstungsexport und Krieg. So bei den Rheinmetall-Hauptversammlungen der vergangenen Jahre oder dem war starts here-Camp in Unterlüß. Im Rahmen dieses antimilitaristischen Camps „Rheinmetall entwaffnen“ vom 01.09. bis 08.09.2019 machten wir das Gedenken und die Thematisierung des Zusammenhangs von Zwangsarbeit und Faschismus in der Geschichte der Rüstungsproduktion zum Schwerpunkt. Wir setzten am Ort des ehemaligen KZ Tannenberg einen Gedenkstein und markierten den Weg von von dort zu Rheinmetall-Fabrik als Weg der Erinnerung mit Namensbaumbinden und thematischen Bannern. Auf dem Camp wurde eine Ausstellung gezeigt und eine Veranstaltung zu Zwangsarbeit beim RheinMain-Flughafen und Rheinmetall durchgeführt. Auf der Demonstration zum Ende des Camps wurde eine Grußwort von Esther Bejarano verlesen.

Der von uns gesetzte Gedenkstein und der Weg der Erinnerung wurde innerhalb kürzester Zeit zerstört. Auch das zeigt die Notwendigkeit andauernder antifaschistischer Aktion.


“Jedes Unternehmen hat seine Geschichte — nur wenige allerdings sind so eng mit dem Schicksal ihres Landes verbunden wie Rheinmetall”

Mit diesem Zitat beginnt eine Broschüre des Konzerns über seine 90jährige Geschichte 1889-1979. Von Beginn an stand der Krieg im Mittelpunkt der Rheinmetall-Produktion.