Militärregion Lüneburger Heide


Der Tod kommt auch aus der Heide: Die Region zwischen Celle und Munster, Unterlüss und Bad Fallingbostel ist das am stärksten militarisierte Gebiet in Deutschland. Munster ist der größte Bundeswehr-Standort und hat zusätzlich zwei Truppenübungsplätze, der Truppenübungsplatz zwischen Bergen und Bad Fallingbostel ist der größte Mittel- und Westeuropas, in Fassberg und Celle-Wietzenbruch ist Luftwaffen-Standort und in Unterlüss baut der Rüstungskonzern Rheinmetall seine Produktion weiter aus.

Bis 1939 war die Lüneburger Heide das am dünnsten besiedelte Territorium in Niedersachsen, hauptsächlich stark land- und forstwirtschaftlich geprägt. Mit der Aufrüstung Deutschlands nach 1933 siedelten sich zahlreiche Rüstungsbetriebe an. Sie folgten dem Militär, dass dort bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, Kasernen und Übungsplätze unterhielt. So wurde der Truppenübungsplatz bei Munster bereits 1893 vom Kaiser angelegt.

Der Militarismus der Nationalsozialisten hatte zur Konsequenz, dass in der heutigen Südheide der 300 km2 umfassende Truppenübungsplatz Bergen entstand. 1935 mussten dafür 24 Ortschaften von allen Einwohner*innen geräumt werden.
Bereits1933/34 wurde der Fliegerhorst Wietzenbruch gebaut, ab 1939/40 war hier ein Stuka-Geschwader stationiert. Der Fliegerhorst Faßberg wurde 1936 fertiggestellt und war einer der größten deutschen Militärflugplätze.

Minenwerferschule in UnterlüßIn Unterlüß liegt der Schießplatz der Rheinmetall-Borsig Werke, einem der wichtigsten deutschen Rüstungskonzerne. Bereits im 1. Weltkrieg wurde in Unterlüß eine Minenwerfer-Schule des Heeres eingerichtet. Eine große Anzahl von Munitionsfabriken bildete nun den wichtigsten Industriezweig. Kleine Heidedörfer wie Unterlüß und Hambühren im Kreis Celle oder Benefeld-Bomlitz im Kreis Fallingbostel wuchsen zu Industriesiedlungen heran und bildeten einen Kontrast zum agrarisch dominierten Umland: Nirgendwo im Deutschen Reich gab es eine ähnliche Massierung auch von geheimen Waffenschmieden. So verfügte Rheinmetall über unterirdische Produktionsstätten – darunter auch einen Windkanal. In der Nachbarschaft von Unterlüß wurden in der Raketenversuchsanstalt Trauen umfangreiche Entwicklungsarbeiten und Versuche zu V2-Raketentriebwerken angestellt.

“So befand und befindet sich noch heute in Unterlüß die Rüstungsfirma Rheinmetall mit ihrer Geschoßherstellung und der angegliederten Schießbahn zum Einschießen der Geschütze. Neben der Laborierung von Granaten und der Endfertigung von Ge- schützen wurden hier im Zweiten Weltkrieg auch die Triebwerke der V 2 getestet ’und deren Sprengköpfe laboriert, d.h. der Sprengstoff wurde eingefüllt. Unweit von Unter- lüß befanden sich die Kieselgurgruben von Ohe, die kriegswichtig waren, da Kieselgur für die Sprengstoffherstellung benötigt wurde. Außerdem eigneten sich die riesigen Schachtanlagen der Kaliindustrie hervorragend als Produktionsstätten für die Muniti- onsherstellung. So gab es die Lufthauptmunitionsanstalt in Hambühren, die Luftmunitionsanstalt in Höfer, das Marinesperrzeugamt in Starkshorn, ein zugehöriges Minenlager in Habighorst und die Heeresmunitionsanstalt in Scheuen, nicht alle Be- triebe allerdings untertage. Nicht unerwähnt bleiben darf auch die für die Rüstung und Kriegführung wichtige Erdölindustrie in Wietze und Nienhagen. Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, daß in der Celler Spinnhütte Vorarbeiten zur Schaffung einer deutschen Atombombe stattfanden und sich in Unterlüß eine Ver- suchsanstalt für Marinesonderwaffen im Aufbau befand. Nicht zu sprechen von all den kleinen Betrieben, die auch ihren Beitrag für die deutsche Rüstungsproduktion leisten mußten.” (Rainer Voss: Fremdarbeit und Zwangsarbeit, ANKA 1/1997)

Die drei heute noch bestehenden, in der Zentralheide konzentrierten, Truppenübungsplätze Bergen, Munster-Süd und Munster-Nord bilden zusammen mehr als die Hälfte aller deutschen militärischen Übungsflächen sowie das größte europäische Truppenübungsgebiet des westlichen Militärbündnisses. Es üben ständig bis zu 12.000 Soldaten. Bergen steht allen Nato-Truppen für Gefechtsübungen grö- ßerer Verbände zur Verfügung, Munster-Nord (17.000 ha) ist der Übungsplatz für gepanzerte Truppen, Munster-Süd (10.000 ha) dient als Schießübungsplatz.